| Kritik
Hamburger Abendblatt / Redaktion Rellingen |
Hamburger Abendblatt / Redaktion Rellingen 13.03.2007
Rathaus Galerie: Im Clownsgewand durchs Naziland
Veronika Kranich und Rainer Koschorz ließen eine Legende des
politischen Kabaretts lebendig werden: die von Erika Mann 1933 mit gegründete
„Pfeffermühle“ – und die Figur der ältesten
Tochter von Thomas Mann.
……der Mix kam an. Die Zuschauer bedankten sich mit minutenlangem
Applaus, ließen Kranich und ihren Kompagnon und Kollegen Rainer
Koschorz erst nach mehreren „Vorhängen“ von der schmalen
Bühne. Während Kranich in die Rolle der Erika Mann schlüpfte,
verkörperte Koschorz abwechselnd ihren Bruder Klaus und den Pfeffermühle-Kollegen
Henning.
…..Handwerklich perfekt servierten sie und Koschorz so geschliffene
Perlen der Kleinkunst wie „Die Gesangslehrerin“ und die
„Friedenskonferenz“… |
| Kritik
aus dem Pinneberger Tageblatt |
Satire
gegen Gewalt und Dummheit
Von
Berthold Wagner
Was
sagt mehr aus über die Qualität einer Darbietung als die Reaktion des
Publikums? Am Ende der vom Kulturforum Wedel präsentierten Vorstellung
gab es nicht nur prasselnden Applaus und laute Bravo-Rufe, die 100 Zuschauer
im ausverkauften Theater Wedel verliehen ihrer Begeisterung auch mit kräftigem
Trampeln der Füße Ausdruck. Mit „Roter Pfeffer – eine Hommage an Erika
Mann und ihre Pfeffermühle“ haben Veronika Kranich und Rainer Koschorz
ein Programm der Extra-Klasse geboten.
Ein mutiges Vorhaben, das legendäre Kabarett „Die Pfeffermühle“, das von
1933 bis 1937 zunächst in Deutschland, dann im Exil mit den Waffen der
Satire den Nationalsozialismus bekämpfte, wieder zum Leben zu erwecken.
Doch der auf außergewöhnliche Frauen-Figuren spezialisierten Schauspielerin,
Sängerin und Autorin Veronika Kranich gelang ein hervorragendes Arrangement
des schillernden Stoffs.
Sie vermittelte den Zuschauern ein authentisches, eindrucksvolles Bild
der ebenso begabten wie eigenwilligen, mutigen und engagierten Tochter
des Schriftstellers und Nobelpreisträgers Thomas Mann. Und präsentierte
mit ihrem ebenso überragenden Kollegen Rainer Koschorz in atemberaubenden
Szenenwechsel einen lebendigen Querschnitt der Programme der „Pfeffermühle“.
Mit Hilfe eingeblendeter Tondokumente und vorgetragener zeitgenössischer
Kommentare, Briefwechsel und Erinnerungen vermittelte das Duo auch den
historischen Rahmen und eine Würdigung der Leistung des Exilkabaretts.
Vom Publikum und der Kritik gefeiert, von der NS-Zeitung „Völkischer Beobachter“
wütend geschmäht, thematisierte das Ensemble der „Pfeffermühle“ frühzeitig
seit Anfang 1933 im kulturell eher braven München soziale Missstände und
drohende Gefahren: Arbeitslosigkeit, Antisemitismus, die diktatorische
Allmacht der Nazis, Aufrüstung und Kriegshetze, aber auch Dummheit, Ignoranz
und Denunziantentum der Bürger.
Die Machtergreifung der NSDAP zwang die „Pfeffermühle“ in das Schweizer
Exil, Auftritte in vielen Staaten Europas folgten. Den scharfen Attacken
der Kabarettisten folgten zuweilen Tumulte und diplomatische Interventionen
– die Folge war ein weiteres Ausweichen nach Amerika. Dort war die Kultur
politischen Kabaretts unbekannt, und so löste sich das Ensemble nach wenigen
Auftritten 1937 auf.
Mit grandios vorgetragenen Songs wie etwa dem „Lied der Dummheit“, Sketchen
mit furiosem Doppelrollenspiel und brillanten Dialoge trieben Kranich
und Koschorz das Wedeler Publikum durch ein Wechselbad der Gefühle: Staunen,
Heiterkeit und Nachdenken – ganz so, wie es die Mitglieder der unvergesslich
Pfeffermühle in ihrer Zeit auch getan hatten.
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| Kritik
Trittau |
Hommage an Erika Mann in der Trittauer Wassermühle 18.09.2007
Mit der Waffe des Wortes
Trittau (mp). Mit "Roter Pfeffer" als Hommage an Erika Mann
und ihre Pfeffermühle durfte das Publikum eine gelungene Gratwanderung
zwischen Kabarett und Theater erleben, das in Bewegung, Gesang, Gestik,
Mimik, Stimme und nicht zuletzt in ihren Dialekten oder als Pantomime
eine beeindruckende schauspielerische Leistung zeigte…..
….Mit minimalistischen Mitteln verstanden es die beiden Schauspieler
grandios in ihren Rollen, Spuren aus längst vergangenen Zeiten
wieder lebendig werden zu lassen, sie schafften imaginäre Bilder.
….Dazwischen lag Satirisch- und Sarkastisches, Tragisches, auch
kindlich Märchenhaftes oder humorvoll Fröhliches zum Schmunzeln
und Nachdenken. Mit scharfen Attacken erinnerten die Sketche und Lieder
an die Zeit, in der die eigenwillige Kabarettistin nur aufrütteln
wollte. … |
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